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Herzlos ausgesetzt

Ein Halter versuchte seinen Hund illegal ausgerechnet an der Polizeiwache anonym loszuwerden

WITTSTOCK – Fast mitternächtlichen und zudem ungewöhnlichen Besuch hatte die Nachtschicht in der Polizeiwache in Wittstock. In dem Zusammenhang wurden die Polizisten auch gleich zu Rettern einer ausgesetzten armen Hundeseele.

Ein zunächst Unbekannter hatte zwischen 23 und Null Uhr seinen Schäferhund-Dobermann-Mischling einfach vor der Polizeiwache angeleint alleine zurückgelassen. Die Nachtschicht hatte von dieser Aktion nichts mitbekommen, bis der Hund sich bemerkbar machte. Auf dem Parkplatz vor dem Wachengebäude war der Rüde einfach am Zaun festgebunden und sich überlassen worden. Nachdem das die Wachenmannschaft mitbekommen hatte, reagierten die Polizisten sofort und riefen Sven Galle an, der im Stadtauftrag – amtlich angefordert – herrenlose Tiere einfängt und vorübergehend aufnimmt, bis entweder die Herkunft geklärt oder der Hund erfolgreich weiter vermittelt werden konnte.

Von der Polizei wurde daraufhin Anzeige gegen den unbekannten Hundehalter erstattet. Schließlich ist ein solches Verhalten illegal und ein Gesetzesverstoß.

Gestern Abend teilte Sven Galle allerdings mit, dass sich derjenige, der den Hund an der Polizeiwache angeleint hatte, bei ihm gemeldet und angekündigt habe, sich stellen zu wollen.

Dass dieser Fall unaufgeklärt bleiben würde, davon war von vornherein allerdings kaum auszugehen. Denn der Hund ist stadtbekannt und wurde schon mit dem Halter beim Spaziergang in der Stadt gesehen. Auch beim städtischen Ordnungsamt liegt nun eine Anzeige gegen den Halter wegen des Verstoßes gegen die Hundehalterverordnung und den Tierschutz vor.

Inzwischen kümmert sich Sven Galle um das acht bis neun Jahre alte Tier. Das ist ganz friedlich und ruhig und hat sich in sein vorübergehendes Schicksal gefügt, zumal ringsum für ihn interessantes Hundegebell zu hören ist – unter anderem auch von einem kleinen Yorkshire Terrier und einem Shih Tzu, die seit kurzem ebenfalls in der Tierauffangstation von Sven Galle auf netten Familienanschluss warten. „Auch das ist ungewöhnlich, dass ich jetzt mehrere ganz kleine Hunderassen zur Vermittlung hier habe“, sagt Galle. Interessenten können sich bei ihm melden. Noch mehr würde es ihn allerdings freuen, wenn sich die Besitzer der aufgegriffenen Hunde melden und ihre Hunde wieder zurückholen würden. (Von Gerd-Peter Diederich)

So viele wie noch nie

Jede Menge weggelaufene Hunde zwischen Weihnachten und Silvester

Papenbruch – „Das war ganz extrem, wirklich außergewöhnlich“, sagt Sven Galle vom Tierheim in Papenbruch-Ausbau. So viele weggelaufene Hunde wie am Jahresende 2010 habe es zuvor noch nicht gegeben. Zwischen Weihnachten und Neujahr fuhr er 17 Einsätze – und sammelte reihenweise Hunde ein – darunter ein Spitz-Mix, ein Schäferhund-Mix, ein Shi-Tzu, ein Labrador. Und dann war da noch ein zunächst besonders ungewöhnlich erscheinender Fall aus Heiligengrabe. Denn dort fing Sven Galle am 2. Januar eine schwarzweiße Französische Bulldogge ein. Das Tier ist erst etwa ein halbes Jahr alt und damit noch fast ein Welpe. Erst gestern meldete sich der Besitzer.

Und das ist kein Einzelfall. „Die Besitzer kommen oft erst sehr spät oder gar nicht zu mir“, sagt Galle. Am 2. Januar habe er überhaupt erst einen ersten Anruf eines Besitzers entgegen genommen – und das nach all den Einsätzen in den Tagen zuvor.

Auch das Unterschummeln von nur angeblich ausgesetzten Hunden ist anscheinend weiterhin an der Tagesordnung. Immer wieder verzeichnet Sven Galle Fälle, in denen Halter ihre eigenen Hunde möglichst kostenfrei loswerden wollen und sie deshalb als ausgesetzte oder gefundene Tiere melden. Der jüngste Fall ereignete sich vor einigen Tagen in Wulfersdorf.

Aber auch das gegenseitige Anschwärzen in der direkten Nachbarschaft sei keine Seltenheit. In vielen Fällen werden Hunde als herrenlos streunend angezeigt, obwohl Herrchen nur ein oder zwei Häuser weiter wohnt. „Das passiert, wenn sich die Nachbarn nicht grün sind und der eine dem anderen zu einer Rechnung ’verhelfen’ möchte.“

Im vergangenen Jahr schlug vor allem ein Fall von Tierquälerei Wellen: Anfang Oktober war eine Hündin an einen Hochsitz im Wald zwischen Sadenbeck und Könkendorf (Prignitz) angebunden worden und musste in dieser Lage offensichtlich ihre Jungen zur Welt bringen (die MAZ berichtete damals). Der Halter des Hundes konnte zwar rasch ermittelt werden, aber verurteilt ist er bislang noch nicht. „Es ist Anklage erhoben worden, aber das Verfahren wurde noch nicht eröffnet. Es gibt auch noch keinen Termin“, sagte gestern Stephan Mracsek, Pressesprecher im Amtsgericht Perleberg, auf MAZ-Anfrage. (Von Björn Wagener)

AUSGESETZT: Auf der Suche nach Herrchen Gnadenlos

Hundefamilie entging nur knapp dem sicheren Tod

SADENBECK/PAPENBRUCH – Sie sollten sterben, doch sie leben: Eine Mischlingshündin samt Welpen im Leib wurde vermutlich vor ein paar Tagen an einen Hochsitz im Wald zwischen Sadenbeck und Könkendorf (Prignitz) angebunden und gnadenlos ihrem Schicksal überlassen. Vermutlich musste sie ihre vier Jungen in dieser Lage zur Welt bringen.

Doch am Mittwochabend gegen 20.30 Uhr wurde die geschundene kleine Tierfamilie erlöst. „Ein Jäger hatte sie gefunden. Die Hündin hatte sich an ihrer Leine fast aufgehängt“, berichtet Sven Galle vom Tierheim in Papenbruch-Ausbau. Wie lange die Hündin mit ihrem Nachwuchs hilflos im Wald hatte ausharren müssen, kann auch Galle nur vermuten. „So, wie sich das Muttertier auf das Wasser und Futter gestürzt hat, wird es wohl mindestens zwei Tage dort gesessen haben.“ Die Jungen seien etwa zwei Tage alt, so Galle gestern. Möglicherweise könnten sie aber auch schon einen Tag älter sein. „Dann wären sie eventuell sogar schon gemeinsam mit ihrer Mutter dort ausgesetzt worden, was noch schlimmer wäre“, so Galle.

Einen derart dramatischen Fall von Tierquälerei habe selbst er bislang noch nicht erlebt. „Die Stelle im Wald war so gewählt, dass die Hündin nicht so leicht zu sehen ist. Wer auch immer das getan hat, hat in Kauf genommen, dass die Tiere jämmerlich verdurstet wären“, sagt Galle. Dabei sei die Hundemutter ein „wirklich liebes Tier, das sogar gehorcht“. Laut Galle wäre ein solcher Hund unter normalen Umständen leicht zu vermitteln gewesen.

Jetzt sollen alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um dem Tierquäler auf die Spur zu kommen. Wer den Hund kennt und die Polizei womöglich zum Halter führen kann, wird gebeten, sich zu melden. Hinweise zu dem Fall werden persönlich oder unter 0 33 95/75 30 in der Pritzwalker Polizeiwache entgegen genommen. Außerdem dürfen sich Menschen, die in dieser Sache weiterhelfen können, auch an Sven Galle vom Tierheim in Papenbruch wenden – entweder unter 0 33 94/40 01 60 oder per E-Mail: kontakt@tierheim-papenbruch.de. (Von Björn Wagener)

Besitzer ermittelt

Sadenbeck: Besitzer von ausgesetzter Hündin ermittelt

Der Besitzer der Schäferhündin mit vier Welpen, die ein Jäger am Mittwoch in einem Wald bei Sadenbeck an einem Hochsitz angeleint gefunden hat, konnte aufgrund von Zeugenaussagen am Freitag ermittelt werden. Dabei handelt es sich um einen 39-jährigen Prignitzer, der erst Ende September 2010 nach Beendigung einer Haftstrafe aus einer Justizvollzugsanstalt entlassen wurde. Während einer Durchsuchung bei dem Mann gab dieser zu, das „Herrchen“ der Hündin zu sein. Allerdings bestritt er, den Hund auch ausgesetzt zu haben. Nach seinen Angaben ist ihm die Hündin weggelaufen. Weitere Ermittlungen dazu stehen noch an.